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Grenzen setzen - Wann
Grenzen überhaupt Sinn machen:
Alles in der heutigen
Zeit ist Modetrends unterworfen - so auch die Pädagogik. Zur Zeit werden
wieder Grenzen und Verhaltensmaßregeln als Allheilmittel für die
Erziehungsproblemen mit Kindern hingestellt. Doch die skeptische Frage,
kann dem wirklich so sein, ist mehr als berechtigt. Grenzen sind für die
Entwicklung von Kindern ohne Zweifel sehr wichtig und helfen Ihnen nicht nur sich
später in der Gesellschaft zurecht zu finden. Doch gehören einige Punkte
genau angesehen, bevor Grenzen gesetzt werden. Ich möchte zunächst auf
drei Bereiche eingehen:
- Aus welcher
Motivation heraus möchte der Erwachsene diese oder jene Grenze
setzen?
- Ist die Grenze
eine, die das Kind auch verstehen und einhalten kann?
- In welcher inneren
Welt befindet sich das Kind gerade und wird diese Grenze das Kind in
seiner Entwicklung einschränken oder fördern?
Die folgende Auseinandersetzung zu
diesem Thema gibt einen ersten Überblick über die Problematik. Obwohl ich
sie äußerst kurz gehalten habe ist sie für Webseiten verhältnismäßig lange
ausgefallen. Nehmen sie sich also ein wenig Zeit, um sich mit Grenzen
auseinander zu setzen. Selbstverständlich ist eine intensivere und
persönlichere Auseinandersetzung in einer Beratung oder Fortbildung in meiner Praxis
möglich.
ad 1: Warum Grenzen gesetzt werden.
Innere Motivationen, Wünsche
oder Ängste sind für die Gestaltungen von Beziehungen ganz entscheidend.
Diese kommen in Handlungen zum Ausdruck, ob man es nun möchte oder nicht,
ob sie einem bewusst sind oder nicht. So kann es leicht sein, dass man als
Eltern seinen Kindern eine Grenze setzt, ohne wirklich zu wissen warum.
Gründe für Grenzen können sein, dass man es immer schon so gemacht hat,
dass man es als Kind auch nicht anders erlebt hat, dass man Angst hat, das
Kind könnte sich verletzen, dass man fürchtet als Eltern von anderen
kritisiert zu werden, dass man fürchtet das Kind könnte einem "über den
Kopf wachsen" und vieles mehr. Aber auch die Motivationen warum man
Grenzen nicht setzt sind oft nicht wirklich bewusst. Sie könnten
aus der Befürchtung heraus unterlassen werden, dass einen das Kind nicht
mehr mag, wenn man ihm dieses oder jenes verbietet. Oder dass man dieses
oder jenes als Kind selbst gerne gehabt hätte und es nun dem eigenen
Kinder nicht verbieten möchte. Oder dass man einfach keine Idee hat, ob
man das Kind dies machen lassen kann oder nicht und es vorsichtshalber
gleich verbietet oder eben nicht.
Die eigenen Kinder
konfrontieren einen mit der eigenen Kindheit, mit alten Sehnsüchten,
Wünschen, Ängsten, Verletzungen u.a.m. Auch dieses Wiederbeleben der
Eindrücke aus den eigenen Kindheitstagen sind meist unbewusst bzw. werden
versucht zu verdrängen, um die damit verbundenen Emotionen nicht spüren zu
müssen. Sie haben aber ganz klar ihre Macht im Umgang mit dem eigenen
Kind bzw. als Lehrer mit dem anvertrauten Kind. Und eben auch beim
setzen oder nicht setzen von Grenzen kommen sie
zum Ausdruck. So geschieht es immer wieder, dass Kinder mit
unausgesprochenen Erlebnisbildern konfrontiert werden, die eigentlich eine
Generation vorher entstanden sind. Vieles davon ist auch nicht schlecht
und macht mit unter auch die Facettenartigkeit der verschiedenen
menschlichen Charaktere aus und hat durchwegs etwas liebenswertes. Doch
wenn Konflikte aus anderen Lebenszusammenhängen die Beziehung und
Erziehung in der Familie und zum Kind negativ beeinflussen, dann ist es
meist unumgänglich, sich diese Konflikte genauer anzusehen, um der Entwicklung des
eigenen Kindes, nicht im Wege zu stehen.
Haben sich Eltern Konflikte
und innere Bilder aus den eigenen Kindheitstagen bewusst gemacht und ihnen
den gebührenden Platz gegeben, dann wird auch meist der Umgang mit dem
eigenen Kind klarer und sicherer. Dies führt wiederum dazu, dass sich das
Kind sicherer in der Familie gehalten fühlt und sich besser entwickeln
kann.
Für die psychoanalytische
Sichtweise der psychischen Entwicklung des Menschen hat Sigmund Freud
formuliert, dass das Über-Ich aus den Vorbildern von Mutter und Vater
entsteht. Als das Über-Ich soll eine innere Instanz versinnbildlicht
werden, die dafür verantwortlich ist, dass ein Mensch sich so in eine
Gesellschaft einfügen kann, dass er weder mit dieser Gesellschaft noch mit
seinen inneren Trieben in gröbere Konflikte gerät. Dies ist aber
eigentlich nur dann möglich wenn klare aber auch tolerante Vorbilder
(Grenzen) von der Eltern vermittelt werden. Zur Verdeutlichung zwei
Beispiele, die die beiden äußersten (und damit nicht empfehlenswerter)
Eckpositionen darstellen sollen. Anna Freud schreibt: "Wir lernen etwa die
neurotischen Hemmungszustände kennen, die dadurch entstanden sind, dass
eine ... Triebregung sehr früh und energisch unterdrückt und dadurch von
der Befriedigung völlig abgehalten worden ist" (Die Schriften der Anna
Freud, S. 185). Dies soll heißen, dass eine frühe totale Unterdrückung von
kindlichen Wünschen dahin führen kann, dass das Kind einen neurotischen
Krankheitszustand ausbildet. Weiter: "Andererseits lernen wir
Krankheitsformen kennen, wie etwa die Perversionen oder bestimmte Formen
der Dissozialität, die dadurch gekennzeichnet sind, dass das Kind an einer
infantilen (kindlichen) Form von Triebbefriedigung ausschließlich festhält
oder zu ihr zurückkehrt. In der Geschichte eines auf solch Weise
Erkrankten finden wir gewöhnlich ein bestimmtes Ereignis, eine Verführung,
einen Schock, ein plötzliches Erlebnis, dass dieser speziellen Triebregung
den Durchbruch zur vollen Befriedigung gestattet hat" (e.d.). Damit steht
also auf der anderen Seite ein totales Ausreizen von kindlichen Trieben,
dass in weiterer Folge zu Krankheitsbildern wie Perversion oder
Dissozialität führen.
Auch in der Pädagogik gab oder
gibt es die verschiedensten Positionen die zwischen "Was das Kind
mitbringt, ist gut. Wir müssen es achten, dürfen es nicht stören" und dem
Gegenteil davon was in folgendem schlechten Witz zum Ausdruck kommt: "Die
Mutter sagt zum Kinderfräulein: Gehen Sie hinein, schauen Sie, was die
Kinder machen, und verbieten Sie es Ihnen" (e.d. S. 183).
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ad 2: Versteht das Kind worum es geht?
Eng mit dem zuvor behandelten
Problemen ist die Frage verbunden, sind die Grenzen für das Kind
verständlich und nachvollziehbar. Handelt es sich wie oben beschrieben um
frühere Erlebniszusammenhänge der elterlichen Kindheit, wegen denen eine
Grenze gesetzt wird, dann ist es oft so, dass das Kind den Zusammenhang
zwischen seinem Handeln und den Grenzen nicht verstehen kann. Dadurch kann
es sich auch nur schwer an die gesetzte Grenze halten. Kinder ebenso wie
Erwachsene wollen Orientierung. Sie wollen wissen warum was wie geschieht
oder etwas von einem verlangt wird. Informationslücken führen dazu, dass
man sich das Fehlende durch Phantasien ersetzt. Diese Phantasien passen
aber oft mit der Realität nicht zusammen. Beispiel: Setzt man eine
Handlung und das vis-á-vis reagiert darauf nicht, dann kann man sich
vielleicht schnell ausmalen, dass die eigene Handlung unpassend gewesen
ist, peinlich oder beleidigend und man macht sich Gedanken, was den
anderen verletzt haben könnte. Tatsächlich könnte es sich aber um
Unsicherheit des vis-á-vis handeln oder Ängste auf dessen Seite. Auch
Kinder füllen ihre Wissenslücken mit Phantasien auf - zum Beispiel über den
Grund der Scheidung der Eltern oder die Weise wie Kinder zustande
kommen.
Besonders für ältere
Generationen ist es oft schwer den Kindern wichtige Informationen zu geben.
Oft ist man selbst in der Weise erzogen worden, dass der einzige Grund,
der einem genannt wurde, warum eine Grenze gesetzt wurde, der war, weil
der Vater es gesagt hat. Kinder wie Erwachsene zeigen aber Verständnis für
Notwendiges und Nützliches und zeigen Widerstand gegen unbegründete
Machtdemonstrationen.
Und noch ein weiterer
wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit Grenzen. Immer wieder hört man die
Forderung nach strengeren Grenzen gegenüber Kindern und Jugendlichen, die
sich nicht im Sinne des Gemeinwohles verhalten. Geht es um dissoziale
Charakterzüge, dann haben wohlgemeinte und klare Grenzziehungen sicher
ihre Richtigkeit und Notwendigkeit. Vergessen wird jedoch oft eines, dass
ausagierte Aggressionen meist ein Zeichen von Angst sind. Man schlägt
lieber selbst zu (und wird damit aktiv) bevor man wartet bis man selbst
geschlagen wird (und passiv verweilt). Die Erfahrung zeigt, dass wenn man
bei Aggressoren der Ursache für ihre Aggression auf den Grund gehen
möchte, oft ganz verängstigte und verletzte Persönlichkeiten findet. Würde
man aber solchen Menschen einfach nur Grenzen vor die Nase halten, dann
würden sie sich wieder bedroht fühlen und wieder mit Aggression reagieren.
Solche Menschen brauchen eher den lang ersehnten geschützten Raum, um ihre
Ängste und Erlebnisse zu bearbeiten und um Ruhe zu finden.
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ad 3: Förderliche Grenzen
Anschließen an das eben
behandelte sind noch weitere innere Erlebniswelten von Kindern zu
berücksichtigen, wenn es um das Setzen von Grenzen geht. So ist zum
Beispiel der Entwicklungsstand des Kindes ganz entscheidend, ob und welche
Grenze in welcher Form überhaupt Sinn macht oder nicht. Besonders bei
kleineren Kindern werden immer wieder Grenzen gesetzt bzw. Erwartungen in
sie gesetzt, die sie unmöglich erfüllen können. In der Arbeit mit Eltern
wird dann oft klar, dass sie sich ihr Kind bereits älter und vernünftiger
wünschen und mit dem jetzigen Alter wenig anfangen können. Besonders deutlich
wird dies auch immer wieder zur Zeit der Reinlichkeitserziehung.
Der Mensch verarbeitet seine
Eindrücke auf verschiedene Weise und besonders Kinder wählen manchmal Formen,
die von den Erwachsenen nicht verstanden werden. Dann glaubt man schnell
Grenzen setzen zu müssen. So etwa die Verarbeitung von
Erlebnissen durch die Regression. Regression bedeutet, dass man einfach
auf den Stand von früheren Entwicklungsphasen zurückgeht. So machen zum
Beispiel Kinder, die schon Sauber waren beim Schuleintritt wieder in die
Hose oder ins Bett, oder Erwachsene werden in schwierigen beruflichen
Situationen krank und lassen sich zu Hause pflegen und verwöhnen. Es ist
eher schädigend, wenn einem Kind die Möglichkeit der Regression durch zu
starre Grenzen genommen wird. Andererseits würde es wenig Sinn machen Eltern
rein kognitiv folgendes zu erklären: Wenn ihr Kind merkt, dass es hin und
wieder einen Schritt oder zwei zurück machen darf und sich erholen kann,
dann macht es leichter 3, 4 oder 6 Schritte vorwärts. Wenn Eltern es nicht
aushalten plötzlich wieder ein babyhaftes Verhalten an ihrem 6jährigen zu sehen,
dann bedarf es einem Ernst-Nehmen ihrer Ängste und einem Begleiten durch schwierige
Entwicklungsphasen. Eine soeben angesprochene Begleitung durch schwierige
Phasen in der Erziehung und Entwicklung von Kindern bietet die psychoanalytisch
pädagogische Erziehungsberatung an.
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Wie immer Ihre
Situation mit Ihrem Kind ist, wenn Sie sich unsicher fühlen und
Unterstützung zu
bestimmten Fragen bräuchten, dann nehmen Sie einfach mit mir Kontakt
auf.
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