Die Geschichte von
dem Jungen,
der keinen Platz hatte.
Felix war gerade mal
5 Jahre alt. Er hatte ein nettes Zimmer mit vielen Spielsachen in einer
geräumigen Wohnung. Hinter dem Kasterl unter dem Fenster wohnten zwei
Gespenster. Die wohnten schon seit ein paar Monaten dort. Neben ihm und den
beiden Gespenstern wohnten noch seine Eltern und seine kleine Schwester Julchen
in der Wohnung. Sein halbes Leben lang ging er schon in den Kindergarten, hatte
Freunde dort und eine liebe Anke (die Kindergartenpädagogin). Die ganze Familie,
außer den Gespenstern, fuhren einmal im Jahr in den Urlaub, wenn es draußen die
kalte Luft gab, die im Gesicht stach obwohl man die Stacheln nicht sehen
konnte, und einmal wenn man in den
See springen konnte. Felix hatte rundherum eigentlich alles was man so
brauchen konnte – und noch ein wenig mehr, wie zum Beispiel Julchen. Aber es
war okay. Mit den Eltern könnte er über alles reden (sagten diese immer – er wusste
zwar nicht ganz was das heißen sollte, aber glaubte, dass es nicht schlecht
war, dass es so ist). Auch Anke schien
ihm zuzuhören. Und doch gab es was, da hatte Felix das Gefühl keine
versteht
ihn.
Dabei hatte er doch
wirklich schon alles, also wirklich alles probiert, um es den Großen
verständlich zu machen. Kurz hatte er auch schon mal überlegt, ob er ein
Inserat aufgeben sollte (so wie Papa es gemacht hat, als er einen Babysitter
gesucht hat), damit andere ihm noch mehr Mittel nennen könnten, damit er es den
anderen begreiflich machen könnte. Aber was hätte es noch geben können als
abends zu weinen; immer wieder zu sagen, dass er Angst habe; sich weigern sich
morgens anzuziehen; das Frühstück für alle zu machen (was kann er dafür, dass
er Papas vergessen hat, und Julchen Salz statt Zucker in den Tee gegeben hat);
bewiesen, wie er alles selber kann; kurz aber wirklich nur kurz hat er auch ins
Bett gemacht; er hat es sogar gezeichnet; er hat schon mal alles ganz langsam
aufgegessen; Saft ausgeschüttet; einmal hat er sogar Dominik in Kindergarten
ein Auto nachgeworfen. Aber nein es hat alles nichts geholfen. Dabei ging es
doch nur um ... und es machte ihn schon stink sauer und ur wütend.

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Es gibt unzählige
Möglichkeiten was unser kleiner Felix mit dem was er uns zeigt sagen möchte.
Und ebenso gehört es zu unserem Leben dazu, dass wir uns immer wieder einmal
nicht verständlich manchen können, dass wir sprachlos sind. Einen Raum den uns
Peter Pan eröffnet ist ein Raum den wir als Kinder einmal selbst gut kannten
und in dem wir uns heimisch gefühlt haben. Im Nimmerland herrschen andere
Gesetze und, um sich dort wieder zurecht zu finden, muss Peter Pan (im 2. Teil)
wieder viel lernen was er schon lange vergessen hat. Auch die uns anvertrauten
Kinder leben noch in dieser Welt. Einer Welt in der zum Beispiel ein
Naturgesetz lauten könnte: Ein Kind soll nach dem Essen abgeholt werden. Also
isst das Kind schneller, damit es früher abgeholt wird und ist stink sauer,
dass nach dem letzten Löffel die Mutter noch immer nicht da ist. Es könnte aber
auch beginnen so langsam zu essen, dass es sich auf jeden Fall ausgehen muss,
dass mit dem letzten Löffel die Mama da ist. Denn auch das Kind möchte die Mama
als verlässlich erleben und ist bereit, ihr die Chance dazu zu geben. Das
Problem dabei ist oft halt bloß, dass die Gesetze der Erwachsenenwelt andere
sind und das Geschirr weggeräumt werden muss und und und.
Passt die
Nimmerland-Welt vielleicht noch in den Kindergarten und sind die
KindergartenpädagogInnen noch relativ kundige Pfadfinder und Spurenleser so
gibt es unter den Eltern oft noch weniger Kundige und in der kalten,
hektischen, von Wirtschaftskrisen und Kriegen bedrohen Welt ist für eine Welt
aus der Sicht von Kinderaugen oft gar kein Platz mehr. Kinder werden zu
Wirtschaftsfaktoren umfunktioniert, sie müssen sich in eine viel zu laute, viel
zu vergiftete und viel zu schnelle Welt eingewöhnen und am liebsten gleich und
sofort. Da kommt es immer wieder vor, dass Kinder auf das Abstellgleis
Fernseher oder Gameboy gestellt werden, für gemeinsame ruhige Zeit miteinander
ist kein Platz mehr. Michael Ende beschreibt dies sehr einfühlsam in dem Buch
Momo. In dieser Geschichte sind die Zeitdiebe unterwegs und achten darauf, dass
keine Zeit vergeudet wird.
Ich möchte es noch an
einem Beispiel verdeutlichen. Ich bin mit Heidi oder dem Dschungelbuch
aufgewachsen. Lange ruhige Einstellungen, in denen man noch Zeit hatte, sich
Nischen für die eigene Phantasie zu schaffen, beherrschten diese Filme. Wenn
man moderne „Kinder“zeichentrickfilme ansieht bleibt keine Zeit auszuruhen und
das Gesehene wirken zu lassen – es wären schon hundert neue Einstellungen
gewesen, die man nicht versäumen möchte. Irgendwie fast unter dem Motto, wir
wissen zwar nicht wo wir hin wollten, aber Hauptsache wir sind früher dort.
Es sind aber nicht
nur die Michael Endes oder die Walt Disneys, die tolle Geschichten zu erzählen
wissen. Jedes Kind hat eine faszinierende Geschichte zu erzählen. Es kostet
jedoch auch viel Mut und Zeit, sich diese Geschichte erzählen zu lassen. So wie
es Peter Pan viel Mut gekostet hat, sich wieder auf Nimmerland einzulassen. Die
Kinder, die ihr Schutzengerl haben, denen es gut geht, die genügend gut
versorgt sind, haben vielleicht nettere (?) Geschichten zu erzählen –
wahrscheinlich wissen sie aber auch schlimme Geschichten nur netter zu erzählen
und sie finden auch leichter ein Publikum. Die Geschichten, die uns Kinder zu
erzählen haben, die vom Heim bedroht waren, deren Eltern sich nach einer
Wegweisung wegen Gewalt und Alkohol getrennt haben, die geschlagen oder sexuell
ausgebeutet wurden, machen betroffen und machen auch Angst. Damit finden sie
aber auch meist kein Publikum. Es ist doch auch der Wunsch jedes Menschen einen
anderen mit seiner Geschichte, mit seinen Wünschen zu berühren – wir ich es
gerade mit dieser Geschichte bei Ihnen versuche. Man fühlt sich noch einsamer,
wenn einem niemand zuhört, wenn man keinen mit seiner Geschichte berühren kann.
Als Pädagoge sollte
man auch den Raum und die Zeit haben, sich in die Geschichten der Kinder
verwickeln zu lassen – so wie es auch ständig passiert. Nur hin und wieder wird
man in eine Geschichte so verwickelt, dass man als Pädagoge(in) ein Teil der
Geschichte wird und das Gefühl verliert, wieder aus dieser Geschichte heraus zu
können. Dann braucht es manchmal einen Erziehungsberater oder eine
Erziehungsberaterin, die/der setzt sich dann ins Publikum, fragt nach dem
Stück, versucht die verschiedenen Rollen zu erkennen und schlüpft zeitweise in
die Rolle des Souffleurs, um dem Stück ein passendes Ende zu bereiten. Oft
bekommen PädagogInnen jene unerträglichen Gefühle zu spüren, die die Kinder
spüren. Dies bedeutet aber auch, dass das Kind Sie ausgesucht hat, um Ihnen
seine Geschichte zu erzählen und sie um Hilfe zu bitten. Die Ausweglosigkeit,
Ohnmacht und Hilflosigkeit die wiederum zu Wut und Aggression führen, die man
im Zusammenhang mit einem bestimmten Kind spüren kann, sind oft genau jene, die
das Kind in seiner Situation erlebt. Wenn man als Pädagoge nicht aus der
Geschichte aussteigt und mit Unterstützung die Geschichte für das Kind
aufzulösen, dann hat das Kind unbezahlbares von Ihnen gelernt. Nämlich, dass
diese Geschichten so schlimm sie auch immer sind, sie uns ängstigen, uns schwer
betroffen machen, uns aber nicht umbringen und dass es Wege und Möglichkeiten gibt,
mit diesen Geschichten umzugehen. Mit den Gespenstern unterm Fenster
fertig zu
werden.
Literaturempfehlungen:
"Calvin und Hobbes"
Autor: Bill Watterson
ISBN: zum Beispiel 3-8105-0370-3
sehr empfehlenswert - Es ist ein Comic, dass in genialer Weise
in die Welt von ca. 5jährigen Buben einführt und zeigt was magische Welt für Kinder bedeutet.
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