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Praxis in Wien 16, Grundsteingasse 13/2-4
Mag. Robert Schmid MA
Pädagoge Sonder- und
Heilpädagoge

Sozialpädagoge
Psychoanalytisch
pädagogischer
Erziehungsberater

Tel.: 0699 111 31 604    -   email: rs@erziehungswerkstatt.at

Die psychoanalytisch pädagogische Erziehungs-

beratungspraxis ist jener Ort an dem Sie  kompetente und professionelle Beratung in Anspruch nehmen können. Sie werden sich mit allen ihren Sorgen und Anliegen ihre Familie betreffend ernstgenommen und angenommen fühlen. Wir werden uns gemeinsam genau ansehen warum es mit Ihrem Sprössling im Moment so schwierig ist, um Wege zu finden das gesamte familiäre Klima zu entlasten.

Um wieder Freude an der Familie und am eigenen Kind zu haben.

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Eingewöhnung in den Kindergarten

Zur Einstimmung auf das hier zu behandelnde Thema möchte ich eine Szene schildern, die ich vor kurzem in der Eingewöhnungszeit in einem Kindergarten erlebt habe:

Wir befinden uns im Garten eines Kindergartens, die Kindergartenpädagoginnen sitzen im Schatten und unterhalten sich, während die Kinder sich an den verschiedensten Spielgeräten beschäftigen. Ich frage die Kindergärtnerinnen wie sie eigentlich die Eingewöhnung der neuen Kinder handhaben. Daraufhin wird mir erzählt, dass sie es seit Jahren so handhaben, dass sie vom ersten Tag an die Eltern nur bis zur Türe kommen lassen und ihnen dort die Kinder abnehmen. Die Eltern müssen ihre Telefonnummer hinterlassen und jeder Zeit erreichbar sein und in kurzer Zeit auch ihr Kind abholen können. (Es sei hier angemerkt, dass es in diesem Kindergarten auch eine Krabbelstube gibt, in der Kinder ab dem 2. Lebensjahr untergebracht sind.) Auf direktes Nachfragen, antworten sie, dass dies gut funktioniere, es gebe keine Probleme und die Kinder fänden sich sehr schnell ein. Am ersten Tag seien die Kinder nur 10 Minuten bei ihnen und dies steigere sich bis zum Wochenende auf den ganzen Vormittag. Es gebe keine Probleme und die Kinder würden sich sehr wohl fühlen.
Es sei noch angemerkt, dass wir uns wie erwähnt im Garten befanden, zwei der Kinder waren mit verweinten Augen ständig um uns herum, andere standen mit verweinten Augen am Zaun und warteten auf ihre Mütter.
Hier möchte ich zunächst meine Beobachtung beenden.

Die Eingewöhnung in den Kindergarten ist eine für das Gefühlsleben des Kindes aber auch für sein Erleben von Bindung und Vertrauen zu den Eltern sehr heikle Zeit. Eine so heikle Zeit, dass es sich wirklich auszahlen würde, sich mit ihr etwas länger zu beschäftigen. Kinder wachsen im günstigen Falle in einer intakten und zuverlässigen Familie auf. Es ist von der Schwangerschaft weg eine Lebensperiode, in der sich zunächst die Eltern sehr auf das Kind einstellen und sich nach dessen Rhythmus richten. Später, mit der Geburt, beginnt ein aufeinander gewöhnen von beiden Seiten her. Auch das Kind lernt - für die Eltern in den ersten Wochen und Monaten fast unmerklich - sehr viel von seinen Eltern und stellt sich auf diese ein. Es sollte soetwas wie gegenseitiges Vertrauen entstehen. Kinder lernen sehr viel indem sie ihre Eltern nachnahmen. Sie vertrauen ihren Eltern, dass sie ihnen nur Gutes wollen und sie sicher nicht "fallen lassen". Was die Eltern machen und wollten ist auch für das Kind etwas was es zumindest einmal ausprobieren kann. Vieles nimmt es von den Eltern an, da seine Eltern anscheinend auch gut damit können.

Nehmen wir diese Eigenheit der Entwicklung von Kindern her und versuchen wir sie auf die Zeit der Eingewöhnung im Kindergarten anzuwenden. Warum sollten Kinder gerne an einem Ort bleiben, an dem erstens alles fremd ist und zweitens (und vor allem) an dem die Eltern nicht eine Minute verbringen wollen? Der Eintritt in den Kindergarten bedeutet für alle Kinder eine sehr große Veränderung. Und nicht nur das. Der Kindergarten stellt die erste Unterbringung außerhalb der Familie dar und wird so zum Muster für alle weiteren (Schule, Arbeit etc.).

Ein anderer Kindergarten: Die Kindergärtnerinnen erzählen, dass die Eltern und Kinder jene Zeit bekommen, die sie benötigen. Die Eltern haben die Möglichkeit schon Wochen oder Monate vorher (natürlich vereinzelt und nach vorheriger Vereinbarung) mit dem Kind den Kindergarten zu besuchen. In der Eingewöhnungszeit kommen die Eltern mit in die Gruppe und verbringen mit den Kindern die erste Zeit im Kindergarten. Die Eltern nehmen den Raum symbolisch in Besitz. Sie sprechen mit den Kindergärtnerinnen oder sitzen einfach nur daneben und ihr Kind erforscht die neuen Räumlichkeiten.

In diesem Kindergarten können die Kinder miterleben, dass auch die Eltern gerne Zeit mit den "Tanten" und im Kindergarten verbringen. Es braucht nicht einmal besonders angesprochen zu werden. Es genügt, dass das Kind miterleben kann, dass seine Eltern auch gerne hier sind. Und wenn die Eltern gerne hier sind, wenn das Kind Bilder in sich aufnehmen kann, in denen die Eltern in diesen noch fremden Räumlichkeiten sitzen, dann kann das Kind das Vertrauen zu den Eltern auch leichter auf den Kindergarten übertragen. Dadurch wird der Kindergarten fest mit den inneren Bildern der Eltern verbunden. So ähnlich wie sich Kinder, die noch gestillt werden oft durch eine Stoffwindel beruhigen lassen, wenn die Stoffwindel nach der Mama und ihrer Milch riecht. Weiters erleichtert wird die Eingewöhnung dadurch, dass die Kinder ihre Kuscheltiere mitnehmen können oder auch Bilder von ihren Eltern. Auch durch ein offenes Erklären der Vorgänge im Kindergarten wird dem Kind geholfen diese Fremdheit in sein bisheriges Weltbild zu integrieren. So kann es auch helfen wenn das Foto der Eltern auf jene Tür geklebt wird durch die sie weggehen und durch die sie wiederkommen werden.


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Und wieder ein anderer Kindergarten: Die Kindergärtnerin der Krabbelstube (0-3 Jahre) wendet sich mit einem Problem an mich. Ein eineinhalbjähriges Kind wird vom ersten Tag an um 7 Uhr in der Früh gebracht und erst um 17 Uhr wieder abgeholt. Die Kindergärtnerin merkt wie schlecht es dem Kind geht und weiß zugleich, dass die Eltern nicht einsehen, dass die Eingewöhnung sanft geschehen muss. Die Eltern argumentieren nur, dass sie arbeiten gehen müssten und dass es vom Kindergarten her das Angebot gibt, also nehmen sie es in Anspruch. Die Kindergärtnerin weiß auch, dass dem Kind wahrscheinlich nicht geholfen wäre, wenn sie das Kind unter diesem Umständen nicht mehr nimmt. Dann müsste damit zu rechnen sein, dass das Kind den "gesellschaftlichen" Druck der Eltern abbekommt. Also ist die Kindergärtnerin um Schadensbegrenzung bemüht.

All diesen Bemühungen und Hilfestellungen zum Trotz darf aber nicht vergessen werden, dass es für das Kind um Trennung geht. Daher ist es erforderlich, dass sich Eltern wie Kindergärtnerinnen dessen bewusst sind und sich darauf vorbereiten, sich auf so sensible Themen wie Trennung einzulassen. Denn jemand der gerade eine schmerzliche Trennung durch macht (das Kind von den Eltern - auch wenn es nur für Stunden ist) braucht wahrscheinlich niemanden der ihm sagt, dass es nicht so schlimm sei. Wenn jemand so etwas in einer solchen Situation sagt, dann (so muss wohl ein Kind verständlicher Weise phantasieren) hat derjenige nicht verstanden um was für eine schmerzliche Trennung es sich handelt. Oft sind es schmerzliche eigene Trennungserlebnisse die PädagogInnen wie Eltern es nicht erlauben die Tränen der Kinder zu akzeptieren bzw. deren Angst zu verstehen.

Es sei noch ausdrücklich angemerkt, dass auch wenn die Kindergärtnerinnen den Kindergarten so nett und freundlich wie möglich machen, wenn sie selbst sehr einfühlsam und verständnisvoll sind, wenn sie alles tun, um für die Kinder einen Raum zu schaffen, der ihnen gefällt - wenn man eben so viel getan hat dann kann es auch recht schwer fallen, dass es für die Kinder aber trotz alle dem eine Trennung bedeutet und diese Trennung eben weh tut.

Durch eine solche vertrauensvolle Eingewöhnung in den Kindergarten entsteht aber ein ganz anderer Zugang zum Kindergarten. Durch einen liebe- und verständnisvollen Eintritt wird dem Kind ein unnötig hartes Trennungserlebnis erspart oder zumindest erleichtert. Diese Zeit ist von vielen Faktoren abhängig. Es kommt darauf an, ob das Kind den Eintritt in den Kindergarten und die damit verbundene Trennung im Moment emotional verkraften kann, ob die Eltern die Trennung verkraften können und eben nicht zuletzt ob der Kindergarten in seinem Auftreten dem Kind gegenüber grundsätzlich sich so präsentiert, dass das Kind Vertrauen fassen kann.

Auch wenn hier zum Teil von recht extremen Fällen erzählt wurde (die aber nicht erfunden sondern tägliche Arbeit der Erziehungsberatung sind) so bedeutet dies aber nicht, dass es nur in solchen Fällen Sinn macht, genauer nachzusehen wie es dem Kind wirklich geht. Kinder haben unterschiedlichste Ausdrucksweisen, welche von den Erwachsenen leicht missverstanden werden können. Bzw. spielen einem oft eigene Abhängigkeiten (Druck Arbeiten zu gehen, Druck vor dem Arbeitgeben gut darzustehen, Druck durch eigene Familie etc.) so manchen Streich und verhindern zu sehen, was ein außenstehender leichter erkennen kann. Daher ist es auch günstiger nicht erst zu warten bis der "Hut brennt" sondern sich rechtzeitig Hilfe in der Erziehungsberatung zu holen.


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