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Eingewöhnung
in den Kindergarten
Zur Einstimmung
auf das hier zu behandelnde Thema möchte ich eine Szene schildern,
die ich vor kurzem in der Eingewöhnungszeit in einem Kindergarten erlebt
habe:
Wir befinden uns im Garten eines Kindergartens, die Kindergartenpädagoginnen
sitzen im Schatten und unterhalten sich, während die Kinder sich an den
verschiedensten Spielgeräten beschäftigen. Ich frage die Kindergärtnerinnen
wie sie eigentlich die Eingewöhnung der neuen Kinder handhaben. Daraufhin wird
mir erzählt, dass sie es seit Jahren so handhaben, dass sie vom ersten Tag an
die Eltern nur bis zur Türe kommen lassen und ihnen dort die Kinder abnehmen.
Die Eltern müssen ihre Telefonnummer hinterlassen und jeder Zeit erreichbar sein
und in kurzer Zeit auch ihr Kind abholen können. (Es sei hier angemerkt, dass
es in diesem Kindergarten auch eine Krabbelstube gibt, in der Kinder ab dem 2.
Lebensjahr untergebracht sind.) Auf direktes Nachfragen, antworten sie, dass
dies gut funktioniere, es gebe keine Probleme und die Kinder fänden sich sehr
schnell ein. Am ersten Tag seien die Kinder nur 10 Minuten bei ihnen und dies
steigere sich bis zum Wochenende auf den ganzen Vormittag. Es gebe keine Probleme
und die Kinder würden sich sehr wohl fühlen.
Es sei noch angemerkt, dass wir uns wie erwähnt im Garten befanden, zwei der
Kinder waren mit verweinten Augen ständig um uns herum, andere standen mit
verweinten Augen am Zaun und warteten auf ihre Mütter.
Hier möchte ich zunächst meine Beobachtung beenden.
Die Eingewöhnung in den Kindergarten ist eine für das Gefühlsleben des Kindes
aber auch für sein Erleben von Bindung und Vertrauen
zu den Eltern sehr heikle Zeit. Eine so heikle Zeit, dass es sich wirklich
auszahlen würde, sich mit ihr etwas länger zu beschäftigen. Kinder wachsen
im günstigen
Falle in einer intakten und zuverlässigen Familie auf. Es ist von der
Schwangerschaft weg eine
Lebensperiode, in der sich zunächst die Eltern sehr auf das Kind einstellen
und sich nach dessen Rhythmus richten. Später, mit der Geburt, beginnt
ein aufeinander gewöhnen von beiden Seiten her. Auch das Kind lernt - für die
Eltern in den ersten Wochen und Monaten fast unmerklich - sehr viel von seinen
Eltern und stellt sich auf diese ein. Es sollte soetwas wie gegenseitiges
Vertrauen entstehen. Kinder lernen sehr viel indem sie ihre Eltern nachnahmen.
Sie vertrauen ihren Eltern, dass sie ihnen nur Gutes wollen und sie sicher nicht
"fallen lassen". Was die Eltern machen und wollten ist auch für das Kind
etwas was es zumindest einmal ausprobieren kann. Vieles nimmt es von den
Eltern an, da seine Eltern anscheinend auch gut damit können.
Nehmen wir diese Eigenheit der Entwicklung von Kindern her und versuchen
wir sie auf die Zeit der Eingewöhnung im Kindergarten anzuwenden.
Warum sollten Kinder
gerne an einem Ort bleiben, an dem erstens alles fremd ist und zweitens (und
vor allem) an dem die Eltern nicht eine Minute verbringen wollen? Der
Eintritt in den Kindergarten bedeutet für alle Kinder eine sehr große
Veränderung. Und nicht nur das. Der Kindergarten stellt die erste
Unterbringung außerhalb der Familie dar und wird so zum Muster für alle
weiteren (Schule, Arbeit etc.).
Ein anderer Kindergarten:
Die Kindergärtnerinnen erzählen, dass die Eltern und Kinder jene Zeit
bekommen, die sie benötigen. Die Eltern haben die Möglichkeit schon Wochen
oder Monate vorher (natürlich vereinzelt und nach vorheriger Vereinbarung)
mit dem Kind den Kindergarten zu besuchen. In der Eingewöhnungszeit
kommen die Eltern mit in die Gruppe und verbringen mit den Kindern die
erste Zeit im Kindergarten. Die Eltern nehmen den Raum symbolisch in Besitz.
Sie sprechen mit den Kindergärtnerinnen oder sitzen einfach nur daneben
und ihr Kind erforscht die neuen Räumlichkeiten.
In diesem Kindergarten können die Kinder miterleben, dass auch die Eltern
gerne Zeit mit den "Tanten" und im Kindergarten verbringen. Es braucht nicht
einmal besonders angesprochen zu werden. Es genügt, dass das Kind miterleben
kann, dass seine Eltern auch gerne hier sind. Und wenn die Eltern gerne hier
sind, wenn das Kind Bilder in sich aufnehmen kann, in denen die Eltern in diesen
noch fremden Räumlichkeiten sitzen, dann kann das Kind das Vertrauen zu den
Eltern auch leichter auf den Kindergarten übertragen. Dadurch wird der Kindergarten
fest mit den inneren Bildern der Eltern verbunden. So ähnlich wie sich Kinder,
die noch gestillt werden oft durch eine Stoffwindel beruhigen lassen, wenn die
Stoffwindel nach der Mama und ihrer Milch riecht. Weiters erleichtert wird die
Eingewöhnung dadurch, dass die Kinder ihre
Kuscheltiere mitnehmen können oder auch Bilder von ihren Eltern. Auch durch ein offenes
Erklären der Vorgänge im Kindergarten wird dem Kind geholfen diese Fremdheit
in sein bisheriges Weltbild zu integrieren. So kann es auch helfen wenn das
Foto der Eltern auf jene Tür geklebt wird durch die sie weggehen und durch
die sie wiederkommen werden.
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Und wieder ein anderer Kindergarten: Die Kindergärtnerin der Krabbelstube
(0-3 Jahre) wendet sich mit einem Problem an mich. Ein eineinhalbjähriges
Kind wird vom ersten Tag an um 7 Uhr in der Früh gebracht und erst um 17 Uhr
wieder abgeholt. Die Kindergärtnerin merkt wie schlecht es dem Kind geht und
weiß zugleich, dass die Eltern nicht einsehen, dass die Eingewöhnung sanft
geschehen muss. Die Eltern argumentieren nur, dass sie arbeiten gehen müssten
und dass es vom Kindergarten her das Angebot gibt, also nehmen sie es in
Anspruch. Die Kindergärtnerin weiß auch, dass dem Kind wahrscheinlich nicht
geholfen wäre, wenn sie das Kind unter diesem Umständen nicht mehr nimmt. Dann
müsste damit zu rechnen sein, dass das Kind den "gesellschaftlichen" Druck der
Eltern abbekommt. Also ist die Kindergärtnerin um Schadensbegrenzung bemüht.
All diesen Bemühungen und Hilfestellungen zum Trotz darf aber nicht vergessen
werden, dass es für das Kind um Trennung geht. Daher ist es erforderlich, dass
sich Eltern wie
Kindergärtnerinnen dessen bewusst sind und sich darauf vorbereiten, sich auf
so sensible Themen wie Trennung
einzulassen. Denn jemand der gerade eine schmerzliche Trennung durch macht
(das Kind von den Eltern - auch wenn es nur für Stunden ist)
braucht wahrscheinlich niemanden der ihm sagt, dass es nicht so schlimm sei.
Wenn jemand so etwas in einer solchen Situation sagt, dann (so muss wohl
ein Kind verständlicher Weise phantasieren) hat derjenige nicht verstanden
um was für eine schmerzliche Trennung es sich handelt. Oft sind es schmerzliche
eigene Trennungserlebnisse die PädagogInnen wie Eltern es nicht erlauben
die Tränen der Kinder zu akzeptieren bzw. deren Angst zu verstehen.
Es sei noch ausdrücklich angemerkt, dass auch wenn die Kindergärtnerinnen
den Kindergarten so nett und freundlich wie möglich machen, wenn sie selbst
sehr einfühlsam und verständnisvoll sind, wenn sie alles tun, um für die Kinder
einen Raum zu schaffen, der ihnen gefällt - wenn man eben so viel getan hat
dann kann es auch recht schwer fallen, dass es für die Kinder aber trotz alle dem
eine Trennung bedeutet und diese Trennung eben weh tut.
Durch eine solche vertrauensvolle Eingewöhnung in den Kindergarten entsteht aber ein ganz
anderer Zugang zum Kindergarten. Durch einen liebe- und verständnisvollen
Eintritt wird dem Kind ein unnötig hartes Trennungserlebnis erspart oder
zumindest erleichtert. Diese Zeit ist von vielen Faktoren abhängig. Es
kommt darauf an, ob das Kind den Eintritt in den Kindergarten
und die damit verbundene Trennung im Moment emotional verkraften kann, ob
die Eltern die Trennung verkraften können und eben nicht zuletzt ob der
Kindergarten in seinem Auftreten dem Kind gegenüber grundsätzlich sich
so präsentiert, dass das Kind Vertrauen fassen kann.
Auch wenn hier zum Teil von recht extremen Fällen erzählt wurde (die aber
nicht erfunden sondern tägliche Arbeit der Erziehungsberatung sind) so bedeutet
dies aber nicht, dass es nur in solchen Fällen Sinn macht, genauer nachzusehen
wie es dem Kind wirklich geht. Kinder haben unterschiedlichste Ausdrucksweisen,
welche von den Erwachsenen leicht missverstanden werden können. Bzw. spielen
einem oft eigene Abhängigkeiten (Druck Arbeiten zu gehen, Druck vor dem
Arbeitgeben gut darzustehen, Druck durch eigene Familie etc.) so manchen
Streich und verhindern zu sehen, was ein außenstehender leichter erkennen
kann. Daher ist es auch günstiger nicht erst zu warten bis der "Hut brennt" sondern
sich rechtzeitig Hilfe in der
Erziehungsberatung
zu holen.
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